Hiroshima – ein völlig normales Leben

Während ich diesen Bericht schreibe, sind wir schon im Shinkansen auf den Weg nach Kyoto. Um es vorweg zu nehmen, begeistert hat uns Hiroschima nicht. Wir hatten einen ähnlichen Eindruck wie Yad Vashem in Jerusalem erwartet. Der Hiroschima Friedenspark ist eher lieb- und phantasielos und nicht besonders gepflegt. Die Gedenkstätte haben wir uns nach diesem Eindruck gleich gespart.

Leider haben wir die Bootsfahrt auf die Insel Miyajima verpasst, alle Boote waren bereits ausverkauft, sehr schade. Es ist Samstag und Hiroschima ist für viele Japaner auch ein Tourismus Hotspot. Dafür haben wir zwei Museum erledigt. Wir wollten eigentlich nur ins Contemporary Art Museum, aber sind zuerst versehentlich im Museum of Art gelandet. Das war etwas langweilig. Also noch einen längeren Spaziergang zum MOCA. Das liegt schön auf dem Berg, bei herrlichem Wetter konnten wir uns hier erstmal stärken. So haben wir die kulturelle Unterversorgung von Tokio ausgeglichen.

Es ist schon sehr erstaunlich, wie normal die Stadt ist, obwohl sie im August 1945 quasi völlig zerstört wurde. Die Strahlung ist normal, nicht anders als überall auf der Welt. Die Strahlung hat sich damals wohl über den Pazifik verteilt, denn die Bombe wurde in 600 Meter Höhe gezündet.

Die Stadt selbst ist – sagen wir es mal diplomatisch – hübsch hässlich. Die Bauten zeigen keinerlei Stil, viele sind in einem eher schlechten Zustand. Leben möchten wir hier nicht. Viele Grünflächen, die zum Verweilen einladen, haben wir nicht gefunden.

Das Highlight waren die Abendessen. Am ersten Tag sind wir im Okonminura gelandet. Ein mehrstöckiger Komplex, auf jedem Stockwerk unzählige Mini-Restaurants. Meistens mit Barstühlen um eine Grillfläche. Hiroschima erntet 70% der japanischen Austern, also haben wir eine Variante gebraten und eine erhitzt in Sake gewählt, beide extrem lecker. Danach gab es gebratene Nudeln mit allerhand Zutaten – Hiroshima Spezial. Wie gesagt, alles wird vor den Augen der Gäste zubereitet.

Am zweiten Abend landen wir in einem Viertel mit ebenfalls kleinen Restaurants, densogenannten Izakayas. Meistens nur 8-10 Plätze. Wir lassen uns von google Map leiten und wählen im ersten Restaurant wieder Austern und Sashimi und in einem anderen verschiedene Fleischspieße. In diesem ist eine tolle Stimmung, wir sind mitten im Trubel und der Wirt und alle Gäste kümmern sich um unser Wohlergehen, obwohl niemand englisch spricht. Google Translator ist im Dauereinsatz. Ein sehr schönes Erlebnis.

Unser Hotel The Knot hat eine Roof-Top-Bar, die offensichtlich bei den jungen Leuten angesagt ist. Zwei Diskjockeys legen tolle Musik auf, die auch von alten Säcken zu ertragen ist. Ein guter Ausklang.

Exkurs:
Neben der erwähnten Sauberkeit und dem Perfektionismus fallen die vielen Menschen auf, die nutzlose Tätigkeiten machen. Baustellen haben zwei Leute, die den Verkehr winken, auch ohne Autos. Ein Schild täte es auch. Im Hotel stehen Jungs und Mädels, die einem den Weg zeigen, den man auch so gefunden hätte oder „öffnen“ für die Gäste eine Automatiktür. Die Gemini3-KI sagt dazu:

1. Service-Level und „Omotenashi“. In Japan ist der Standard für Sicherheit und Service extrem hoch.
Sicherheit geht vor: Ein Schild kann ignoriert werden, aber ein Mensch mit einer Leuchtstange, der sich verbeugt und Blickkontakt aufnimmt, erzwingt Aufmerksamkeit. Es geht darum, das Risiko für Unfälle auf absolut Null zu senken.

2. Gastfreundschaft: Selbst an einer Baustelle oder einem Fahrstuhl soll der Kunde (oder Passant) das Gefühl haben, geleitet und betreut zu werden. Das ist Teil der japanischen Service-Philosophie Omotenashi.

3. Soziale Beschäftigung (Der Gesellschaftsvertrag)
Es ist tatsächlich eine Form der sozialen Sicherung, aber nicht unbedingt „versteckte Arbeitslosigkeit“ im westlichen Sinne. Senioren im Job: Da die japanische Gesellschaft sehr alt ist und die Renten oft knapp sind, arbeiten viele Senioren in diesen einfachen Jobs. Es hält sie körperlich aktiv und sozial integriert. Pflicht zur Beschäftigung: Große Bauunternehmen sind oft gesetzlich oder durch Versicherungsauflagen verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Sicherheitspersonal abzustellen, um eine Genehmigung zu erhalten.

4. „Vollbeschäftigung“ als kulturelles Ideal
In Japan gilt es als moralisch wichtig, eine Aufgabe zu haben. „Nichts zu tun“ wird gesellschaftlich stigmatisiert. Lieber bezahlt man jemanden für eine (aus unserer Sicht) geringqualifizierte Tätigkeit, als dass diese Person Arbeitslosengeld bezieht. Das sorgt für eine extrem niedrige Kriminalitätsrate und einen starken sozialen Zusammenhalt, da fast jeder am Wirtschaftskreislauf teilnimmt.

Zusammenfassung
Man könnte sagen, Japan leistet sich den „Luxus“ dieser menschlichen Wegweiser, um die Harmonie (Wa) im öffentlichen Raum aufrechtzuerhalten. Es ist eine Mischung aus Tradition, Sicherheitswahn und einem Rentensystem, das viele dazu zwingt (oder motiviert), bis ins hohe Alter aktiv zu bleiben.

Tokio 1 – Mehr Kulinarik als Kultur

12 Stunden Flug sind überstanden, aber nur weil wir uns ausstrecken und etwas schlafen konnten. Wir kommen in Tokio Haneda an, der Flughafen ist relativ stadtnah. Alles geht blitzschnell – Immigration, Koffer – und nach 30 Minuten sind wir im Hotel.

Tokio hat 9 Mio., die Metropolregion 37 Mio., also fast viermal Schweden. Tokio ist die Präfektur, also ähnlich wie eine Provinz/Bundesland und besteht aus vielen Städten, die sich wie Stadtteile anfühlen. Wir wohnen in Minato und dort im Stadtteil Roppongi.

Wenn die Japaner nicht so rücksichtsvoll und manchmal übertrieben organisiert wären, gäbe es hier Chaos, wie in vielen anderen asiatischen Großstädten. Als erstes fällt die Sauberkeit auf, ich habe nach 1,5 Tagen einen Papierschnipsel in einem Gebüsch gesehen, sonst nichts. Es wird natürlich gesäubert, aber die Menschen schmeißen auch nichts achtlos auf die Wege. Und statt hässlicher Graffiti gibt es witzige Bilder an den Baustellenwänden.

Nach einer Pause im Hotel erkunden wir Roppongi, oder besser Roppongi Hill und fahren in den 53. Stock des Nachbarhauses.

In dem überdachten Komplex mit unserem Hotel gibt es geschätzte 30 Restaurants, teils groß, manchmal nur einen Tresen. Vertreten sind alle Varianten der japanischen Küche plus diverse Italiener, Koreaner, Chinesen etc. Es ist unglaublich, aber der Wettbewerb führt zu höchster Qualität.

Auf das japanische Essen haben wir uns besonders gefreut. Am Abend gehen wir ins Roko-Roko, ein Sushi oder besser Sashimi Restaurant. Als Paar sitzt man häufig am Tresen, der Chefkoch des Restaurants bereitet das Essen vor unseren Augen à la minute vor. Es gibt heute nur rohen Fisch. Anfänglich frage ich mich, werde ich davon satt, a, aber ber nach fast 2 Stunden fühlen wir uns wohl gesättigt ohne Vollegefühl. Viele Kalorien haben wir nicht zu uns genommen, kein Wunder, dass die Japaner alle so schön schlank sind. Abends schaffen wir noch einen Besuch im Jazz Club Maduro, der zum Hotel gehört. Ein schöner Club, aber es darf geraucht werden und die Darbietung ist nur mittelgut.

Am nächsten Tag machen wir ein Hopp-On-Hopp-Off Tour und entdecken dabei das Viertel Asakusa. Ein sehr ursprüngliches, wuseliges Viertel. In der Nähe der Ueno Park mit dem Nationalmuseum und dem Zoo. Hier ist der perfekte Ort für die Sakura (Kirschblüte), die fängt hier in diesem Teil Japans nächste Woche an. Sie dauert übrigens nur 7-10 Tage und ist ein kulturelles Großereignis in Japan. Hier buchen wir uns ein Hotel für unseren Aufenthalt für die letzten drei Nächte der Reise.

Etwas enttäuscht sind wir von dem Besuch des Kaiserpalasts.. Man kann nur aus der Ferne in den Park gucken, wohl weil der Tenno und Familie anwesend sind. Das Gegenteil von den schwedischen und dänischen Royals. Dann wandern wir zu unserem ersten Schrein – ein buddhistischer Mini Tempel. Der ist leider under construction.

Abends suchen wir uns ein bei Google hochbewertetes Tempura Restaurant aus. Wieder am Tresen, das spart die Bedienung. Der Koch bereitet wieder alles frisch vor und servierte uns in kleinen Häppchen im Teig fritierten Fisch und Gemüse. Tempura ist nicht wie bei uns eine dicke Panade sondern ein leichter Teig. Die Miso Suppe kommt als vorletzter Gang. Sie ist etwas kräftiger, würziger als bei uns – ähnlich wie der grüne Tee. Daran müssen wir uns noch gewöhnen Alles wieder sehr lecker und 2-3 Kalorien mehr als gestern.

Erstes Fazit: In Einzelhäusern und 4-stöckigen Mietshäusern wie in Hamburg kann man keine 10 Mio. Menschen unterbringen. Also wird wie in allen Mega-Städten nach oben gebaut. Da kommt nur schwer Flair auf, für uns sieht alles gleich aus – zumindest auf den ersten Blick. Deshalb freuen wir uns auf das oben erwähnt Asakusa in der nächsten Woche. Morgen geht es mit dem Shinkansen (Bullet-Train) nach Hiroschima, das sind immerhin 800 Km, der Zug braucht nicht mal 4 Stunden.

Japanische Toiletten sind ja berühmt. Alles geht automatisch und die Brille ist beheizt. Nur etwas für bekennende Warmduscher wie uns.

Zweiter Versuch

Unser Flug nach Japan sollte am Donnerstag, den 12.3. losgehen. Leider wurde gestreikt, zumindest der Zubringer ist ausgefallen. Uns war das ganz Recht, denn die Wettervorhersage für Japan war für den Zeitraum nicht so gut und mit dem neuen Zeitplan kommen wir noch näher an die schöne Zeit der Kirschblüte.

Wir haben also 1,5 Tage zusammen mit der KI von Gemeni3 gesucht und gebucht. Der neue Zeitplan ist wie folgt:

Mi/Do 18./19.03. Ankunft und erste Erkundung Tokio

Fr/Sa 20./21.03. Hiroshima

So/Mo/Di 22./23./24.03 Kyoto. Das haben wir unverändert gelassen, da wir sonst das tolle Hotel nicht wieder bekommen hätten. Kyoto soll das Highlight werden, Kirschblüte und Kobe-Beef

Mo/Di 25./26.03 Hakone. Natur, Vulkan, Onsen und traditionelles Dinner genießen

Mi/Do/Fr 27./28./29.03 Tokio II für Kirchblüte in Hochphase, Shoppen, Kultur, Jazz und Ute will Karaoke singen


Wir sind gut vorbereitet. Der sehr vorteilhafte EUR-YEN Kurs lädt zu gutem Essen und Shoppen ein. Wir werden uns mit hoffentlich interessanten Berichten und schönen Fotos aus Japan melden. Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere auch inspiriert uns real zu folgen.

Kultur – Kulinarik – Kirschblüte

Am Donnerstag, den 12. März 2026, starten wir für knapp zwei Wochen eine Reise durch Japan. Natürlich nicht mit der SY Andante, aber trotzdem wollen wir hier berichten. Einige Freunde hatten uns danach gefragt und außerdem ist es schön, später die Texte zu lesen und Fotos anzuschauen.

In der zweiten Hälfte der Reise sollte die Zeit der Kirschblüte beginnen, das ist in Japan ein großes Ereignis und lockt viele Touristen an. Deshalb haben wir unsere Hotels schon gebucht. Der Reiseplan sieht wie folgt aus:

Freitag, den 13. März
Ankunft in Tokyo auf dem City Airport Haneda, gegen Mittag

Montag, den 16. März
Reise nach Hakone, südwestlich von Tokyo. Natur und Kultur genießen

Mittwoch, 18. März
Lange Reise in den Süden auf die Insel Miyaima, Nähe Hiroschima

Donnerstag, 19. März
Kurze Anreise nach Hiroshima

Samstag, 21. März
Anreise nach Kyoto – das wird wohl der Höhepunkt

Dienstag, 24. März
Rückreise nach Tokyo

Mittwoch, 15. März
Rückflug nach Hamburg

Wir freuen uns, wenn ihr uns folgt und ab und zu mal einen Kommentar abgebt.